Die Online-Enzyklopädie Wikipedia stellt das Internetangebot des renommierten Brockhaus http://www.brockhaus.de/nachschlagen klar in den Schatten. Laut einem aktuellen Test im Auftrag der Zeitschrift stern schneidet das Mitmach-Lexikon, das von Internetnutzern gestaltet wird, insgesamt weit besser ab als der von professionellen Redakteuren betreute Brockhaus. Im Test wurden 50 zufällig ausgesuchte Beiträge aus den Gebieten Politik, Wirtschaft, Sport, Wissenschaft, Kultur, Unterhaltung, Erdkunde, Medizin sowie Geschichte und Religion von Experten des Instituts "Wissenschaftlicher Informationsdienst Köln" überprüft. Als Kriterien wählten sie Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verständlichkeit, die nach Schulnotensystem bewertet wurden.

Insgesamt erzielte Wikipedia bei 43 Beiträgen bessere Noten als der Online-Brockhaus. Nur bei sechs Begriffen lag das professionelle Nachschlagewerk vorne, einmal wurden beide gleich bewertet. Unter den einzelnen Kriterien, die überprüft wurden, ging der Brockhaus einzig bei der Rubrik Verständlichkeit als Gewinner hervor. Laut Test sind viele Wikipedia-Artikel für Laien oft zu kompliziert oder ausschweifend.
Da spielt erneut der Punkt Richtigkeit mit hinein. Da sich so viele Experten bei Wikipedia beteiligen, sind die Artikel dann auch oft mit entsprechend vielen Fachwörtern gespickt. Andererseits werden Beiträge auch häufig von mehreren Autoren betreut, worunter die Einheitlichkeit und Übersichtlichkeit leiden kann.
Der Vorteil von Wikipedia liege jedenfalls auch darin, dass das Internet unbegrenzt Platz bietet, während der Brockhaus im Grunde auf einen bestimmten Raum (Papier) begrenzt sei und auch nur eine begrenzte Zahl an Mitarbeitern zur Verfügung habe.
Brockhaus nimmt Kampf gegen Wikipedia auf
Nach einem Millionen-Verlust geht der deutsche Brockhaus-Verlag jetzt in Konkurrenz mit der freien Internet-Enyzklopädie Wikipedia. Am 15. April will der Verlag mit einem kostenlosen Lexikon-Portal im Internet online gehen.
"Die 21. Auflage der 'Brockhaus Enzyklopädie" war voraussichtlich die letzte - ab jetzt findet alles online statt"
In der Print-Redaktion werden deshalb voraussichtlich rund 50 Jobs gestrichen.
Zwar steht die Bilanz für das Jahr 2007 noch nicht fest, doch zeichnet sich ein Verlust in der Größenordnung von mehreren Millionen Euro ab. Die Marktanalysen zeigen eindeutig, dass die Kunden künftig Sachinformationen in erster Linie online nachschlagen werden.
Das neue Brockhaus-Internetportal soll durch Werbung finanziert werden. Dieses Modell ermögliche es allen Menschen, am relevanten, geprüften, nicht-manipulierbaren Brockhaus-Wissen teilzunehmen. Ab Mitte April sollen unter ein Online-Lexikon mit 300.000 Stichworten und auch Inhalte aus anderen Nachschlagewerken des Verlages verfügbar sein. Mehr als bisher will Brockhaus auch tagesaktuelle Themen berücksichtigen und multimediale Beiträge einbinden.
Zielgruppe des neuen Online-Auftritts sind nicht nur junge Menschen, "sondern die aus der aktuellen Sinus-Studie vertrauten Etablierten, die modernen Performer, die Postmateriellen sowie Studenten und Schüler". Für diesen Herbst plant der Brockhaus-Verlag zudem ein werbefreies und kostenloses Online-Angebot für Schulen.


