Tanzformen
Es gibt eine schier unüberschaubare Fülle an Tanzformen; die Liste der Tänze trägt die wichtigsten Tänze dieser Welt zusammen. An dieser Stelle werden nur die bekanntesten Tänze und solche Tanzformen, die sich durch einzigartige Merkmale von der Masse abheben, dargestellt.
Die folgende Untergliederung dient nur der groben Orientierung und ist keine verbindliche Kategorisierung. Der Versuch, Tänze in einer allumfassenden Systematik zu ordnen, hat sich in der Vergangenheit wiederholt als unfruchtbar herausgestellt. Es ist nicht schwierig, Merkmale zu finden, nach denen sich Tänze grob gruppieren lassen, harte Kriterien, die eine scharfe Trennung vornehmen, gibt es aber kaum.
Eine verbreitete Kategorisierung ist die nach dem gesellschaftlichen Anlass oder Zweck des Tanzens. Nach Anlass kennt man rituelle Tänze, die religiösen Hintergrund haben, Volkstänze, die zum volkstümlichen Brauchtum gehören und Gesellschaftstänze, die zu geselligen Anlässen aller Art aufgelegt werden. Nach dem Zweck unterscheidet man vor allem den Kunsttanz, eine Kunstform für sich, den Turniertanz, der dem sportlichen Wettkampf dient, den Showtanz, der reinen Unterhaltungscharakter hat und den Werbetanz, der als Partnerwerbung dient.
Auch die Unterteilung nach der Anzahl der Tänzer in Einzeltanz, Paartanz und Gruppentanz ist populär; problematisch ist hierbei, dass viele Tänze in mehreren Aufstellungen getanzt werden. Im Gruppentanz unterscheidet man nach der geometrischen Anordnung der Tänzer weiter zwischen Kreistanz, Kettentanz (hintereinander) und Reihentanz (nebeneinander); ferner gibt es den Formationstanz, in dem die Formation der Tänzer häufig wechselt.
Es gibt zahlreiche weitere Charakteristika, nach denen man Tänze unterteilen kann, allen voran Merkmale der Tanztechnik, diese sind aber vergleichsweise selten anzutreffen.
Folkloristischer, historischer und spiritueller Tanz:
Eine herausragende Stellung nimmt in vielen Belangen der Volkstanz ein. Die Unterartikel Afrikanischer Tanz, Chinesischer Tanz und Bolivianische Tänze gehen örtlich spezialisiert auf die Vielfalt dieses Gebiets ein. Bekannte Volkstänze des deutschen Sprachraums sind der Schuhplattler und der Landler, aus dem sich später der Wiener Walzer entwickelte. Ein Beispiel für einen international bekannten Volkstanz ist der hawai'ianische Hula. Technisch herausragende Volkstänze sind der südpazifische Sitztanz, der im Sitzen getanzt wird, und der schottische Schwerttanz, der mit Schwertern getanzt wird.
Spezielle Tanzformen sind aus der völkischen Tradition des Karneval, Fastnacht und Fasching heute nicht mehr wegzudenken. Fällt einem mit Blick auf die deutsche Tradition vor allem der Gardetanz ein, so ist international vor allem die brasilianische Samba des Karneval in Rio de Janeiro ein Begriff.
Unter dem Begriff Historischer Tanz versuchen Tänzer in aller Welt, Tänze nachzustellen, die heute praktisch nicht mehr existieren und nur noch aus schriftlichen oder bildlichen Quellen rekonstruiert werden können. In dieses Gebiet fallen Tänze wie die durch überlieferte Musik bekannte Pavane, die im modernen Karnevalstreiben aufgegangene Polonaise und die Quadrille, die vor allem Liebhabern von Kreuzworträtseln ein Begriff ist.
Drehende Derwische des Mevlevi-Ordens in der Türkei
Drehende Derwische des Mevlevi-Ordens in der Türkei
Tanzformen wie Trancetanz oder Kirchentanz zielen darauf ab, beim Tanzen spirituelle Erfahrungen zu machen. Im Mittelpunkt steht hierbei meist eine Konzentration auf den eigenen Körper in Verbindung mit Meditation. Berühmt für diese Art des Tanzens sind die indischen und türkischen Derwische.
Kunst-, Bühnen- und Experimentaltanz:
Kunsttanz und Bühnentanz leben von der künstlerischen Interpretation der Musik. Speziell das Ballett gilt als technisch vollendete Form des Tanzens und hat zahlreiche andere Tanzformen stark beeinflusst. Klassische Ballettbegriffe wie Pas de deux haben ihren Platz in der Umgangssprache gefunden und Begriffe wie Spitzentanz und Tutu sind Teil der Allgemeinbildung. Dennoch besteht der Kunsttanz aus mehr als nur dem Ballett: Auch der chinesische Tanz und das japanische Tanztheater Butoh können dieser Form zugerechnet werden. Eine recht junge Form des Kunsttanzes ist der Ausdruckstanz. Der spanische Flamenco führt ein tänzerisches Eigenleben, das dem Kunsttanz vergleichbar ist, selbst wenn er ursprünglich nichts mit der klassischen Theaterbühne zu tun hat.
Mit dem Kunsttanz verwandt ist die Sparte des Experimentaltanzes, deren Ziel es ist, die vielseitigen Bewegungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers voll auszuschöpfen.
Die Berufstänzer an den Theatern in Deutschland bezeichnen sich als Bühnentänzer und werden von der der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA)[2] gewerkschaftlich vertreten.
Gesellschaftstanz:
Der moderene internationale Gesellschaftstanz ist vor allem geprägt durch das Welttanzprogramm mit Tänzen wie Foxtrott, Discofox, den Standardtänzen (langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstep), sowie den jüngeren lateinamerikanischen Tänzen (Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und Jive). Weiterhin zählen dazu Stehblues, Salsa, Merengue und Tango Argentino.
Neben dem aus der Jazzbewegung der USA heraus entstandene Tanzkomplex des Swing und dem daraus hervorgegangenen Rock ’n’ Roll sind dem Gesellschaftstanz auch die meist sehr kurzlebigen Modetänze zuzuordnen. Darunter versteht man Tänze, die oft auf ein fest vorgegebenes Musikstück getanzt werden, wie beispielswise der Lambada.
Auch gibt es Partytänze, die in der Gruppe nach fester Choreografie auf ein vorgegebenes Musikstück getanzt werden; einer der ältesten Partytänze ist Memphis, zu den bekanntesten gehört der Time Warp der Rocky Horror Picture Show. Ein beliebter moderner Vertreter der Tänze mit „Ansager“ ist der Square Dance. Hier ruft ein Caller oder Sänger Figurennamen in den Raum, auf die die Tanzgruppe spontan reagieren muss. Diese Art des Tanzens ist auch in anderen Tanzformen zu finden, beispielsweise dem Contra Dance oder der Rueda de Casino. Eine Sonderform ist der Rollstuhltanz bei dem die klassischen Paartänze behindertengerecht umgesetzt werden.
Schautanz:
Schautanz versucht über den künstlerischen, sportlichen oder religiösen Elemente hinaus, die Unterhaltung des Zuschauers in den Mittelpunkt zu rücken.
Der Stepptanz und seine Verwandten Irish Dance und Clogging zeichnen sich dadurch aus, dass die Tänzer vor allem mit den Füßen agieren, während Körper- und Armbewegungen untergeordnete Rollen spielen. Markant sind hier die speziell beschlagenen Schuhe, wodurch sich jeder Bodenkontakt als hörbares klack! ausnimmt und die Tänzer selbst musikalisch tätig werden.
Jazz- und Modern Dance fassen eine ganze Reihe von Tänzen zusammen, die sich über kurz oder lang aus dem Jazz entwickelt haben. Neben dem klassischen Jazz Dance und dem Modern Dance finden sich hier jugendliche Tanzformen wie Hip-Hop oder Popping, bei dem die Tänzer die ruckhaften Bewegungen von Robotern nachahmen. Auffalend anders ist der Breakdance, bei dem Tänzer bei außergewöhnlich viel Bodenkontakt akrobatische Leistungen vollbringen.
Der wegen seiner hüftbetonten, schlangenhaften Bewegungen auch als Bauchtanz bekannte orientalische Tanz wird von einer einzelnen Frau oder von Gruppen getanzt. Es gibt auch männliche Bauchtänzer (Zadiel/Berlin), denn der orientalische Bauchtanz ist viele hundert Jahre ein reiner Männertanz gewesen. Frauen war es in der Zeit sogar verboten ihn zu tanzen. Die verschiedenen Stile und Unterformen schauen auf eine lange aber diffuse Entstehungsgeschichte zurück. Obwohl häufig auf erotische Weise interpretiert, hat der orientalische Tanz prinzipiell nichts mit dem rein erotischen Tanz zu tun.
Möglicherweise ebenso alt wie der Tanz selbst sind erotische Tanzformen. In der modernen Welt werden diese hauptsächlich durch Gogotanz, Tabledance und Striptease verkörpert, in denen sexuell anzügliche Bewegungen den Zuschauer becircen sollen.
Werden beim Tanzen Fackeln und Pois verwendet, spricht man von Feuertanz. Die Art der begleitenden Musik kann sich von orientalischer Musik über Rock, Pop, Hip-Hop oder Techno bis hin zu mittelalterlicher Musik erstrecken. Diese Art von Tanz ist durch das offene Feuer nicht nur für den Tanzenden gefährlich, sondern auch für Publikum und Umgebung und sollte daher nur von erfahrenen Künstlern dargeboten werden. Auch sind auf die gesetzlichen Bestimmungen des Brandschutzes (Brandsicherheitswache, Versicherung) zu achten.
Weitere Tanzformen:
Im Eiskunstlauf, insbesondere im Eistanzen, werden verschiedene Tanzformen mit Schlittschuhen auf dem Eis getanzt. Auch das Synchronschwimmen ist eine Form des Tanzens. Eine junge und äußerst ungewöhnliche Tanzform entwickelte das Projekt Bandaloop: In dieser Verbindung aus Klettern und Tanzen schweben die Tänzer meterweit über dem Erdboden. Headbangen ist eine Tanzform, die untrennbar mit der Musikgattung Metal verbunden ist und fast ausschließlich mit dem Kopf getanzt wird. Noch intensiver bis hin zur Gewalttätigkeit ist Pogo, in der in großen Gruppen meist bei Live-Musik wild gegeneinander gesprungen wird. Diese Art des Tanzes findet man vor allem im Punk. Kampfsportarten weisen viele Bewegungsabläufe auf, die Tanzbewegungen sehr ähnlich sind; besonders deutlich zeigt sich dies in stilisierten Kämpfen wie der Kata. Aufgrund dieser Ähnlichkeit wurde die von Sklaven entwickelte Kampfsportart Capoeira als musikalisch unterlegter Tanz getarnt.
Prinzipiell könnte Mobile Clubbing in der Zukunft zur Entwicklung weiterer ungewöhnlicher Tänze führen, da man durch Wahl geeigneter Orte viele räumliche und administrative Einschränkung bezüglich der tänzerischen Kreativität umgehen kann.
In der elektronischen Musikszene entstehen laufend neue Tänze, wie zum Beispiel Jumpstyle.
Quelle: Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Tanzen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation . In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Text
Tanzen ist nicht so schwer was für eine von Tanz willst den machen???22.10.2009 09:57

