Interview mit Hans Hitzeroth von den Jungen Tenören, geführt am 13.09.2007.
1. Festliche Abendmusik ist ein getragenes und trotzdem mit Überraschungen gespicktes Album. Wie kam es zur Auswahl der Titel?
Antwort: Die Stücke haben sich im Grunde aus dem Programm unserer
Kirchenkonzerte ergeben. Sind also live erprobt. Die jungen Tenöre, die
es nun schon seit 10 Jahren gibt, verwenden bekannte Titel und
verändern diese mehr oder weniger so, dass dadurch eine neue
unverkennbare Art des jeweiligen Liedes oder Songs herauskommt.
2. Gibt es ein musikalisches Konzept, das ihr verfolgt habt?
Antwort: Wir versuchen die Stücke auf eine uns zugeschnittene Art
unterhaltsam zu präsentieren und den Werken trotzdem gerecht zu werden.
Das war schon immer unser Konzept, das sich ja auch über die Jahre
bewährt hat.
3. Was sind die gesanglich anspruchvollsten Stücke auf dem Album?
Antwort: Es gibt sehr viele anspruchsvolle Stücke auf dem Album. Gleich
das erste Stück, ein Lied von Beethoven "Die Ehre Gottes aus der
Natur", zeigt auf, dass wir nicht nur nach bekannten Klassik-Hits
Ausschau halten. Beethoven-Lieder findet man eher selten auf den
Spielplänen. Ein Grund mehr dieses wunderschöne Lied zu (?) als
präsentieren. Ein weiteres schönes Beispiel für anspruchsvolle Werke
auf dem Album sind die drei verschiedenen "Ave Maria"-Versionen, die
einem Tenor alles Können abverlangen. Die "Ave Maria"-Interpretationen
zeigen zudem wie viele Komponisten in der Musikgeschichte ein Stück
nach eigenen Interessen verändert haben. Das ist im Prinzip nichts
anderes als was wir mit den klassischen Stücken machen. Wir bearbeiten
klassische Lieder für die Hörer in unserer Zeit.
4. Ihr habt auch Gospelnummern auf dem Tonträger. Was verbindet euch mit diesen Songs?
Antwort: In unserem Live-Programm stellt eine Gospelnummer, die die
Menschen bewegt und zum mitmachen animiert ein wichtiges
dramaturgisches Element dar. Auch auf diesem Album nimmt daher ein
Gospel wie "Swing Low, Sweet Chariot" einen wichtigen Part ein. Wir
haben bekannte Songs genommen die die Menschen gut kennen. Bei
Konzerten beginnen wir zumeist klassisch und in der zweiten
Konzerthälfte starten wir dann mit Gospelsongs. Wir folgen auf dem
Tonträger also mehr oder weniger der Dramaturgie unserer Konzerte.
5. Wie siehst Du die Rollen der drei Tenöre: Wer steht für was?
Antwort: Wir sehen uns als Künstler alle drei ähnlich wichtig. Einen
"Ober-Tenor" gibt es nicht. Musikalisch gesehen ist es folgendermaßen:
Es gibt auch bei uns verschiedene Fächer: Hubert ist mit seiner starken
hohen Stimme gesanglich unser Schwergewicht. Ilja ist sehr unbeschwert,
er ist auf eine unglaublich positive Weise vielseitig und ein bisschen
unberechenbar. Er hat noch Narrenfreiheit, da er als letztes zu den
Jungen Tenören kam.
Mich selbst zu beschreiben fällt mir schwer. Bei Konzerten bin ich
derjenige, der die Leute begrüßt und durch das Programm führt.
Musikalisch bin ich das Gegenstück zu Hubert. Ich bin eher der lyrische
Sänger, mit einer hellen Stimme. Hubert ist ein Perfektionist mit einer
schweren Stimme mit großem Umfang nach oben, der an einem Konzertabend
mehr Hohe Cs singt als ein vergleichbarer Tenor an einer Oper. Er ist
ein echter Glücksfall für uns, da gute Tenöre, die sowohl hoch als auch
tief perfekt singen können sehr rar sind.
6. Was ist euch besonders wichtig bei CD-Produktionen?
Antwort: Wir haben versucht die Konzertatmosphäre auf die CD zu packen.
Es handelt sich bei dem Album "Festliche Abendmusik" ja nicht um einen
Live-Mitschnitt, wie man vermuten könnte, sondern um ein Studio-Album,
das die gleiche Spannung aufbaut wie ein Konzert. Wir haben daher auch
auf viele synthetisch klingende Features verzichtet um dem Produkt mehr
Flair einzuhauchen.
7. Ihr seid live die absoluten Abräumer. Was bedeutet euch das Live-Geschäft?
Antwort: Das Live-Geschäft ist für uns, wie für die meisten Künstler,
natürlich das Wichtigste. Man bekommt direktes Feedback und kann den
Leuten etwas mit der eigenen Musik zurückgeben. Die Live-Konzert
Atmosphäre kann kein Album vollständig wiedergeben, auch wenn es oft
versucht wird. Man ist den Leuten einfach nicht so nahe wie bei einem
Konzert.
8. Findet ihr es schade, dass puristische Rezensenten im Feuilloton Crossover-Künstler zumeist mit Verachtung strafen?
Antwort: Am Anfang kamen tatsächlich Konzertrezensenten in unsere
Konzerte, mit der klaren Voreinstellungen uns fertig zu machen. Einige
Kritik-Punkte waren bestimmt berechtigt. Aber diese Schreiber hatten
eine generelle Ablehnung gegen neue Künstler, die – wie sie dachten –
nur auf Kommerz aus sind und nichts können. Ich selbst komme aus dem
klassischen Musiktheaterumfeld und habe dort oft mitbekommen wie viele
Geldmittel falsch angelegt und oft leider auch in die falschen Leute
investiert wurden. Die Jungen Tenöre hatten und haben natürlich keinen
Millionen-Etat zu Verfügung. Wir müssen mit unseren Mitteln einfach das
Beste herausholen. Das was wir bis heute erreicht haben, können wir uns
selbst zu schreiben. Wenn wir eine CD aufnehmen haben wir drei Tage
Zeit, um alles fertig zu bekommen. Ein großes Theater hat wie gesagt
ganz andere finanzielle Mittel, um ein solches Projekt zu bewältigen.
Viele andere haben unsere Arbeit aber auch schon früh anerkannt und
richtig eingeschätzt.
9. Wie sehen eure Pläne für 2008 aus?
Antwort: Die Kirchentournee wird fortgesetzt, auch unsere
Weihnachtstournee steht zum Jahreswechsel bevor. Dann gibt es noch
einige herausragende Ideen, die aber noch nicht spruchreif sind…
1999
Das zweite Album „Vergiss die Liebe nicht“ wird veröffentlicht und die „Jungen Tenöre“ beginnen ihre ausgedehnte Tourneetätigkeit durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.
2000
Mit dem dritten Album „Stimmen“ nehmen sich die drei Vokalartisten – gemäß ihrem Motto „Spaß an der Musik verbreiten und musikalische Grenzen sprengen“ – auch erstmals Popsongs im klassischen Gewand vor. Sie erweitern ihr Crossover Repertoire in jede Richtung; singen Klassik Songs poppig und Pop Songs in klassischer Form. Zahlreiche Fernsehauftritte und die Produktion des Videos „Stimmen in Granada“ ermöglicht eine Platzierung unter den Top 35 der deutschen Charts.
2001
Mit „Cara Mia – ihre größten Erfolge“, veröffentlichen die „Jungen Tenöre“ erstmals ein Best of Album, auf dem sich auch sechs neue Titel befinden. Gemeinsam mit Anna Maria Kaufmann und dem klassischen Orchester Rondo Vienna unter der Leitung von Barbara Helfgott gehen sich auf eine ausgedehnte Tournee mit dem Titel „Zauber der Musik“.
2002
Mit ihrem fünften Album „Schlagergold“, produziert von Gerd Kempfe, greifen sie auf die 16 meistgespielten deutschen Schlager zurück und veröffentlichen die Highlights deutscher Schlager-Klassik in neuem Gewand.
2003
Im Einvernehmen mit seinen Kollegen verlässt Thomas Kießling die Formation, um sich wieder dem klassischen Fach zu widmen. Er wird durch den jungen Hubert Schmid ersetzt. Im April 2003 wird ein neuer Vertrag mit dem Label 105 Music in Hamburg unterschrieben und das Album „Viva Italia“ mit Georg Gabler produziert, das im Herbst veröffentlicht wird.
2004
Die Veränderungen hören auch in diesem Jahr nicht auf, die "Jungen Tenöre" wechseln in diesem Jahr das Management und unterzeichnen im April 2004 den Vertrag bei Panta Musik GmbH, kurz darauf folgt der Plattenvertrag bei "Artist first/Edel" und die Arbeiten für das neue Album beginnen. Bernhard, Hans und Hubert gehen in der Vorweihnachtszeit auf eine neuentwickelte Weihnachtstournee mit dem bezeichnenden Titel "Beswingliche Weihnacht". Das Publikum ist von dieser neuartigen Mixtur verschiedenster anspruchsvoller und eher selten gehörter Weihnachtstitel begeistert.
2005
Im April des Jahres veröffentlichen sie das Album "Söhne des Amor" und können damit an den Erfolg der letzten Alben anknüpfen. Auch setzen die Jungen Tenöre die erfolgreiche Weihnachtstour vom Vorjahr fort und veröffentlichen pünktlich zum Tourbeginn das Album "Beswingliche Weihnachten".
2006
Da die letzten Tourneen beim Publikum große Resonanz fanden, begannen die drei an der Verwirklichung eines weiteren Konzerttraumes zu arbeiten - einem Kirchenkonzert! Ein wiederum selten gehörtes klassisches, religiös kirchliches Liedprogramm wurde in wenigen Wochen einstudiert und a capella, begleitet nur von 3 Musikern, in den verschiedensten Kirchen Deutschlands vor meist ausverkauftem "Hause" aufgeführt und teils frenetisch bejubelt. Die Tournee wurde so zu einer der erfolgreichsten Ihrer Art in den letzten Jahren, durchgeführt von der Fa. PromEvent, und wird in 2007 fortgesetzt.
Bernhard Hirtreiter bittet seine beiden Kollegen im Mai um Verständnis, dass er die Jungen Tenöre zum Ende des Jahres 2006 gerne verlassen möchte, um sich wie er selber sagte, mit dann 40 Jahren noch einmal den im stillen langgehegten Traum einer Solokarriere widmen zu können. Seine Kollegen Hans Hitzeroth und Hubert Schmid wünschen ihm von Herzen alles Gute und begannen mit der Auswahl aus zahlreichen Bewerbern den einen, neuen "dritten" Tenor herauszufinden, der den hohen Ansprüchen genügen mußte. Schon ziemlich zu Beginn der Suche schien alles auf einen wunderbaren Tenor hinauszulaufen, der es dann zum Sommerende 2006 auch tatsächlich wurde: Ilja Martin aus Berlin.
2007
Zu Beginn des Jahres 2007 werden die "neuen" Jungen Tenöre bei Koch Universal ihr erstes gemeinsames CD-Album veröffentlichen und entsprechend zu Anfang des Jahres überproportional in großen TV-Sendungen, ebenso wie in Funk und Presse zu Gast sein. Ihre Kirchentournee wird ebenso eine erfolgreiche Fortsetzung ( Dank bester Vorverkäufe) erleben, wie zahlreiche Konzerte im gesamten deutschsprachigen Raum.
Quelle:Universal Music Group



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