
Thomas Kerbl
Die Karriere des 1965 geborenen Dirigenten Thomas Kerbl begann bereits in frühen Jahren und nahm ihren Ausgangspunkt am Klavier.
Parallel zu seinem Klavierstudium am Brucknerkonservatorium, das er damals als jüngster Kandidat mit 17 Jahren mit "Auszeichnung" abschloss begann eine umfangreiche Konzerttätigkeit als Solist und Liedbegleiter. Neben Klavierkonzerten von Mozart bis Martinu, über 500 Liederabende im europäischen Raum waren es vor allem die 16 Abende der zyklische Gesamtaufführung des gesamten Klavier-, Kammermusik- und Liedwerkes von Claude Debussy, welche 1986/87 den damals knapp 20 jährigen Künstler große Anerkennung brachte.
Am ehemaligen Brucknerkonservatorium wurde ihm mit 27 Jahren die Leitung der Lied- Oratoriumklasse anvertraut. Die Anton Bruckner Privatuniversität Linz ernannte ihn 2005 zum Direktor des "Institutes für Gesang und Stimme"; zudem leitet er beide Masterstudienrichtungen; jene für "Lied und Oratorium" und das neue "Opernstudio" Zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhielt der Künstler bisher, darunter den begehrten "Bühnenkunstpreis des Landes OÖ".
Seit 1995 intensivierte sich die Arbeit als Dirigent und bildet mittlerweile, neben einer intensiven Franz Schubert Forschung den künstlerischen Schwerpunkt in der Arbeit von Thomas Kerbl.
"...Coram Publico verglühen. Dritte Folge des -Winterreise-Zyklus im Linzer Brucknerhaus mit Hans Zenders in radikaler Subjektivität durchkomponierter Interpretations - Philosophie. Tosender Applaus im prallvollen Stiftersaal. Schluss mit dem krankhaften Hang zu Urtextritualen und zu denkmalpflegenden, meist von tödlicher Fadesse vergifteten Originalklang - Versionen. Die Interpreten müssen wieder in die Kernanliegen ihrer Musik eintauchen, sich in der Verkündigung der Botschaft die Seele aus dem Leib reißen und coram publico verglühen. So, wie es der Vokalist Kurt Azesberger und das von Thomas Kerbl famos motivierte Orchester Ensemble Sonare signalisierten..."
(Hans Zender "Winterreise nach Franz Schubert)
Aus seinem breit gefächerten Repertoire als Dirigent sind drei Schwerpunkte besonders hervorzuheben.
In Zusammenarbeit mit dem "Forum St.Severin" und dem Linzer Brucknerhaus sorgt Thomas Kerbl seit 15 Jahren für vielbeachtete Aufführungen von Passionen und Oratorien.
Neben Dirigaten von großen Standartwerken wie Joh.Seb.Bach "Johannes Passion"; G.F.Händel "Der Messias"; "Das Alexanderfest"; "Hercules"; J.Haydn "Die Schöpfung" hat er eine Vielzahl von OÖ Erstaufführungen geleitet wie: G.Ph.Telemann "Passion nach Brockes"; "Lukas Passion"; G.Kuehnehausen "Matthäus Passion"; A.Scarlatti "Johannes Passion". Sein individueller Stil und dramaturgischer Zugriff zu diesen Werken wurde von Publikum und Presse gleichwohl gerühmt - Die Aufführung der "Matthäus Passion" von G.Sebastiani nimmt die A.Bruckner Universität 2006 zum Anlass, Thomas Kerbl zum Univ.Prof zu habilitieren.
"...Am Pult stand mit großer Inspiration Thomas Kerbl - Transparenz und Plastizität zeichneten die Wiedergabe aus und illustrierten die Geschehnisse vom unheimlich - gespenstischen Chaos, aus dem der befreiende C-Dur Schlag für die Schöpfung des Lichts emporriss, über die blühenden Rezitative und lyrischen Arienpassagen bis zu den euphorischen Aufschwüngen im Finale.."
(Joseph Haydn - Die Schöpfung)

Große Beachtung fand schließlich sein Zyklus der Opern von W.A.Mozart für das Stadttheater von Bad Hall. Zwischen 2000 und 2005 formierte Thomas Kerbl ein Mozart Ensemble und führte "Die Zauberflöte"; "Die Entführung aus dem Serail"; "Die Hochzeit des Figaro", "Don Giovanni"; "Cosi fan Tutte" und "La Finta Giardineria" auf.
Eine begeisterte Presse (bis hin zur Berichterstattung der Wiener Staatsoper) reagierte vor allem auf jene Leistung, sämtliche Opern in der Tradition der historischen Gegebenheit, als Dirigent vom Klavier/Cembalo zu leiten und auch alle Rezitative zu begleiten. Für diesen Zyklus erhielt er den "Bühnenkunstpreis des Landes OÖ".
"...Dirigent Thomas Kerbl verantwortet die überaus sorgfältige und herausragend textdeutliche Einstudierung und setzt die Ausdrucksstärke der Vorlage herrlich klingen um: alle Nuancen zwischen zarten Regungen und kochender Dramatik.
Jede Note dient dem Theater..." (Don Giovanni)
"...Die Grenzen des Genialischen - Thomas Kerbl weiß über Tempo, Dynamik, Atem und feinsinnig differenzierten Ausdruck bescheid und erreicht in der Ausführung der Secco - Rezitative fallweise die Grenzen des Genialischen..."
(Cosi fan tutte")
"...Der energiegeladene musikalische Mitstreiter Thomas Kerbl hat mehr als ganze Arbeit geleistet und vollbringt ein kleines Wunder: Was auf der Bühne gesagt und gespielt wird, klingt auch als -Klangrede- detailreich an Phrasen und Farben aus dem Orchestergraben..."
(Entführung aus dem Serail)
"...Die für die Bad Haller Produktion zwecks dramaturgischer Erhellung des Handlungsablaufes erstellten Rezitativtexte setzte der Dirigent Thomas Kerbl, der fraglos Pulsschlag und Blutgruppe mit Mozart gemeinsam hat, in Stil und Affekt optimal in Musik..."
(La Finta Giardineria)

Für internationales Aufsehen sorgte seine OÖ Erstaufführung der Oper "Der Kaiser von Atlantis" von Viktor Ullmann im Jahr 2000; die Premiere wurde europaweit via 3 SAT ausgestrahlt. 2003 folgte das große symphonische Oratorium "The Song Of Terezin" von Franz Waxman (u.a. gemeinsam mit den Wiener Sängerknaben) mit europaweiten Aufführungen wie in der Staatsoper von Prag, sowie die Kammeroper "Das Tagebuch der Anne Frank" von Grigori Frid.
Von der Österreichischen Bundesregierung wurde er eingeladen den großen Festakt der Feier zur Wiederkehr "60 Jahre Republik Österreich" künstlerisch zu leiten.
"...Thomas Kerbl, musikalischer Leiter und Initiator setzt mit seinem prächtigen Ensemble den pulsierenden Kontrapunkt. Mit einer großartigen Umsetzung von Ullmanns Klangbildern. Einer lebendigen, geschickt und virtuos phrasierten akustischen Illustration von Protest, von Tod, von Lagerleben..."
(Der Kaiser von Atlantis)
"...Unter der kundigen Gesamtleitung von Thomas Kerbl gelang es mit der expressionistischen Musik Waxmans Emotionen auszulösen: viele Tränen im Publikum, das zwischen Betroffenheit und Applaus schwankte..."
(The Song of Terezin)
"Die ganze Summe musikalischer Werke kann mit Sicherheit nicht einen einzigen Zeitzeugen ersetzen.
Es geht mir in erster Linie um die Generation der Nachgeborenen - ich bin selber 1965 geboren - und die Distanz zu den historischen Ereignissen birgt insofern eine Chance in sich, eine gründliche Aufarbeitung - historisch und auch künstlerisch für die nächsten Generationen zu bieten und da wird es sicher sehr viel Bewegung in den nächsten Jahrzehnten geben" (Aus einem Interview - Pressekonferenz Prag/Staatsoper)
Neben seiner Arbeit an der Anton Bruckner UNI (Seine ehemaligen Studenten sind mittlerweile in Engagements an bedeutenden Häusern wie Staatsoper und Volksoper Wien, Opernhaus Zürich...) wiederspiegelt eine Vielzahl von Masterclasses sein großes Anliegen einer intensiven Begegnung mit dem künstlerischen Nachwuchs. Bevorzugte Themen sind dabei; das Opernrepertoire von Mozart; Liedinterpretation für Sänger und Pianisten von Franz Schubert - bzw. dem deutschen romantischen Fach, sowie alle großen Oratorien der Musikgeschichte.
Zentrales Anliegen dabei ist ihm stets eine vielschichtige und praxisnahe Ausbildung mit toleranter Weitsicht und Offenheit - Ein Prinzip das er selber unter Beweis stellt, denkt man an seine umjubelten Dirigate der Rockopern "Jesus Christ Superstar", "Evita" von A.Ll.Webber, oder L.Bernstein "West Side Story" bis hin zu Cole Porter "Kiss Me Kate" oder F.Loewe "My Fair Lady".
copyright 2007 Sonnytec



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