Seer

Am Ufer und mitten drin oder der Herr der Kiesel blickt ‚übern Berg'

Die Geschichte der Seer:

Der groß gewachsene Mann sitzt am Ufer des Sees und wirft kleine Steinchen ins Wasser. Dort, wo der Kiesel auf die Wasseroberfläche trifft, bilden sich kleine Kreise die langsam aber stetig immer größer werden. Kleine Wellen werden zu Größeren die zielsicher nach einiger Zeit das Ufer erreichen. ‚Tust du etwas zu dem du stehst, dann ist das wie mit einem dieser kleinen Steine. Du wirfst dein Tun und die Antwort kommt zeitversetzt in Gestalt der Welle zu dir zurück'.
Fred Jaklitsch ist ein ‚Seer'. Er ist der ‚Ober-Seer' und seit vielen Jahren auch ‚Herr der Kiesel'.

In den Achtzigern warf er zum ersten Mal, damals, als er mit einer dancelastigen Euro-Pop-Band von seiner Heimat aus, dem Salzkammergut, zuerst Österreich und dann Asien eroberte. ‚Joy' hieß die Band und ‚Touch By Touch' der größte Hit. Aber ‚Joy' sind Geschichte und Jaklitsch hatte die Taschen noch voller Kieselsteine. Jeder Kiesel eine Idee.
Die Ideen des Fred Jaklitsch entstehen nicht am Reißbrett. Zuerst kommt die Phase des Entdeckens, dann die des Erkennens und schließlich wird probiert.

Die Mutter spielt Zither, im Dorfwirtshaus werden Gstanzln gesungen und dazu das sogenannte ‚Paschen' geübt. Was das ist? Auch nicht leicht zu erklären und man müsste hier schon einen kleinen Kurs in Volkskunde abhalten um in das Thema zu schnuppern. Homöopathisch erklärt: Gstanzln sind eine Art Ur-Alpenrap und Paschen steht für rhythmisches Klatschen. Zur näheren Erläuterung dient das Seer-TV-Special welches im Sommer 2004 gedreht, später im TV gezeigt und auf DVD erhältlich sein wird.
Jedenfalls hat die Volksmusik einen Seer noch nie unberührt gelassen. Wohlgemerkt: wir sprechen von Volksmusik - und nicht von volkstümlicher Musik! Das ist ein großer Unterschied.
Jaklitsch war auf den Spuren der musikalischen Wurzeln als sich daraus die Seer entwickelten. Der Name der Band ist so einfach aus dem Leben gehauen wie das Salz im Stollen des Kammergutes. ‚Seer' sind Menschen die am See wohnen. Jaklitsch lebt am See, am Grundlsee und ist daher ein ‚Seer'.
Der Ober-Seer verstand es, seine Wurzeln mit Popmusik zu verquicken und dem Ganzen wiederum eine kräftige Portion Lokalcolorit beizumengen. Das Ergebnis sind Texte, die in ein musikalisches Kleid gewandet sind und sich dadurch auszeichnen, daß sie die Menschen direkt erreichen. Direkt heißt ohne Umwege. Hören, fühlen, spüren und sich selbst wieder erkennen. So funktionieren Seer-Lieder. Seit Jahren mit einer enormen Trefferquote. Gold, Platin und andere Awards gibt's im Akkord. Die Gigs sind vielfach ausverkauft und der geschriebene Erfolg ist in den Charts nachzulesen. Das Album ‚Junischnee' - erschienen 2002 - steht zwei Jahre später noch immer in den österreichischen Charts.
Wenn nun 2004 die neue CD ‚Übern Berg' erscheint, dann setzt sich diese Geschichte nahtlos fort.
Fred Jaklitsch, Sassy Holzinger, Astrid Wirtenberger, Manfred Temmel, Hampel Spitz, Jürgen Leitner, Alois Huber, Thomas Eder, Franz Rebensteiner und Wolfgang Luckner sind zu einer Einheit gewachsen. Zu ‚Seern'. Die Freunde ihrer Musik kommen mittlerweile nicht ausschließlich mehr aus der engeren Heimat. Aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Holland kommt Post.
Das Open Air im August (14.8. Grundlsee) ist ein Treffen der Nationen. Europa pur. 20.000 Menschen sind mit dabei.

Jaklitsch, der Herr der Kiesel, sitzt am Ufer des Sees und denkt. Er denkt viel und war nie ein Mensch der lauten Worte. Es ist eine Menge geschehen in all den Jahren. Der Erfolg lässt manchmal fast eine unheimliche Dynamik erkennen. Angst? ‚I wo. Jede Dynamik schleift sich irgendwann ein. Erfolg ist kein Perpetuum Mobile'. Gedanken wie diese sind ihm nicht fremd. Gibt es ein Leben nach den Seern? Darüber zu sinnieren ist legitim. ‚Nach den Seern ist falsch', meint Jaklitsch. Eher zu den Seern. Die Band und das was sie ausmacht, musikalisch-inhaltlich, über die Landesgrenzen zu heben. ‚Was wir hier machen ist eigentlich Weltmusik. Musik aus unserer Welt. Packt man dann Elemente aus anderen Welten dazu, dann ist das eine reizvolle Herausforderung', erzählt der Ober-Seer, versenkt dabei einen Kiesel und als die Welle sanft ans Ufer klatscht wird klar, da ist etwas im Busch.
Jaklitsch nimmt die restlichen Steine aus der Jackentasche und diese prasseln wie ein harter Regen auf die Wasseroberfläche. Zahlreiche kleine Kreise werden größer. Wellen greifen in einander, verschränken sich und treiben wieder auseinander. ‚Siehst du', sagt er, ‚so wie der See, sind die Seer. Jeder Kreis hat in der Mitte ein Ziel'. Sprach's, wirft die Jacke um die Schulter und verschwindet hinter einer Hausecke in einem der kleinen Salzkammergüter. Zurück bleibt ein ganzer Kreisreigen von Metaphern mit jeweils einem Ziel. Das erste heißt ‚Übern Berg'.


Quelle: Sony/BMG
 
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