Herz mit Hirn
Musiker, Entertainer, Mensch:
Rainhard Fendrich. Ein Porträt.
Musiker, Entertainer, Mensch:
Rainhard Fendrich. Ein Porträt.
Manche seiner Lieder sind Allgemeingut. Wenn etwa im sommerlichen Schwimmbad ein aufgeblasener Gockel an ein paar jungen Mädels vorbei stolziert, trällern die garantiert „Oben ohne“ oder auch „Macho, Macho“. Und wenn in der Mucki-Bude einem Spargeltarzan die Hantel auf den Fuß fällt, intonieren seine Trainings-Kameraden „Es lebe der Sport“. Schon hat jeder die Stimme von Rainhard Fendrich im Ohr. Rainhard Fendrich: Sänger, Liedermacher, Musical-Komponist, Schauspieler, TV-Moderator. Entertainer. Einer der Großen. Vor zwei Jahren wurde der 49-Jährige in seiner Heimat Österreich zum „Besten Entertainer des Jahrzehnts“ gewählt. Eine Auszeichnung, die im gesamten deutschen Sprachraum gelten dürfte.
Quasi zwischendurch singt, moderiert und schauspielert er. Heiratet, wird Vater zweier Söhne. Sein Leben ist das, was die Gazetten eine Bilderbuch-Karriere nennen. Fendrich berührt etwas bei den Leuten - auch weil seine Poesie volksnah und lebenstauglich ist . So heißt eines seiner schönsten Liebeslieder „Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk“.

Insgesamt dreimal bekommt er den österreichischen Preis „Romy“ für den besten Showmaster. Dieses Talent zum Entertainment ist es auch, mit dem er 1993 als Nachfolger von Rudi Carrell der deutschen Fernseh-Show „Herzblatt“ ein neues, junges Image gibt. Fendrich, jetzt 38, macht die Kuppel-Schmonzette zum Kult.

Trotz vieler Erfolge - „Ich hab immer meine Schulkollegen bewundert, die ab der dritten Mittelschulklasse gewusst haben, was sie werden sollen. Ich hätte mich so gerne festgelegt. Ich hab's aber nicht machen können, weil ich so vieles machen wollte in diesem Leben“, sagt Fendrich. Er, der überzeugend den charmanten Wiener gibt, schaute immer schon hinter die menschlichen Kulissen. Als Abiturient setzte er sich intensiv mit Friedrich Dürrenmatt auseinander. Was er mit dem großen Dramatiker gemein hat, ist der Wunsch nach Wahrhaftigkeit. „Ich will keine Lebenslügen“, sagt Rainhard Fendrich. Dazu gehört auch die Bilanz seiner kürzlich gescheiterten Ehe. Entgegen spektakulärer Klatschpresse-Berichte ging da schlicht eine Liebe entzwei.
Diese Aufrichtigkeit sucht er auch auf der Bühne. Als er Anfang dieses Jahres auf dem Münchner Chrysanthemenball spielte, ging es weniger um die Romantik als mehr um das Honorar, wie Fendrich lakonisch feststellte. Er ist keiner, der sich verbiegt. Und sang vor der illustren Gesellschaft, die sich gern für die bayerische Antwort auf den Wiener Opernball hält, auch „Mir san die Hautevolee“. Das Publikum war begeistert – und sang lachend mit. Das schätzen die Leute an ihm: Der Fendrich ist ironisch, aber kein Zyniker. Er macht eine gute Show. Aber er zieht keine Show ab.
Zum Überwintern und zum Atemholen hatte sich Rainhard Fendrich in seine Finca auf Mallorca zurück gezogen. Zwischen Schafen und Eseln suchte er, der extrovertierte, umjubelte Entertainer, die Einsamkeit und den Blick nach innen. Nun meldet er sich mit seiner neuen CD zurück. „auf LEBEN“ ist vielleicht seine Ehrlichste. „Ich möchte, dass mir die Leute zuhören“, sagt Rainhard Fendrich. Das werden sie tun. Und einmal mehr das ein oder andere Lied zum Allgemeingut machen.
(Christiane Pütter)
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